Ursprüngliche Landrassen nach Weltregion: Von Hindukusch & Thai bis Durban & Acapulco

Großes, gefingertes Cannabisblatt im Freiland
Cannabisblatt aus der Region Ketama, Marokko. Foto: GuHKS · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Bevor es moderne Samenbanken, Indoor-Zelte und Kreuzungen wie Skunk, Haze oder Cookies gab, existierten auf der Welt Dutzende regional angepasste Cannabis-Landrassen. Ob im schroffen Hochgebirge des Hindukusch, im feucht-heißen Monsunklima Thailands, im Hochland von Malawi oder an den Hängen der kolumbianischen Sierra Nevada: Jede Region formte ihren eigenen Pflanzentypus. Hier stelle ich die 21 wichtigsten dokumentierten Landrassen nach Weltregionen vor.

Rechtlicher & redaktioneller Hinweis (§ 4 & § 6 KCanG): Dieser Artikel ist eine rein botanische und kulturhistorische Übersicht. Es gibt keine Kaufempfehlungen, keine Bezugsquellen und keine Heilversprechen. Für den privaten Eigenanbau in Deutschland dürfen Cannabissamen ausschließlich aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union eingeführt werden (§ 4 Abs. 2 KCanG) – das Mitbringen oder Bestellen von Samen direkt aus Drittstaaten (wie Afghanistan, Thailand, Südafrika, Kolumbien oder Mexiko) ist gesetzlich verboten.[9]

Wie Geografie, Breitengrad und Klima eine Landrasse formen

Wild wachsende Cannabispflanzen an einem Hang über Reisterrassen
Wild wachsendes Cannabis in Uttarakhand, Indien. Foto: Yann Forget · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Nach den genomweiten Analysen von Ren et al. (2021) wurde Cannabis sativa in der frühen Jungsteinzeit in Ostasien domestiziert und verbreitete sich von dort über Jahrtausende mit menschlichen Handels- und Wanderbewegungen über Eurasien, Afrika und später Amerika.[3] In jeder Klimazone wirkten zwei Selektionskräfte zusammen: die natürliche Umwelt (Tageslänge, Höhenlage, UV-Strahlung, Niederschlag, Herbstkälte) und die traditionelle Nutzung durch den Menschen (gesiebtes Haschisch im trockenen Gebirge vs. getrocknete Blüten in den Tropen).[1][4][5]

  • Hochgebirge der mittleren Breiten (30°–38° N, z. B. Hindukusch): Kurze Sommer und frühe Wintereinbrüche erzwingen einen kompakten Wuchs, breite Fächerblättchen (BLD = Broad-Leaf Drug) und eine rasche Blütenreife in 7 bis 9 Wochen.[1][2]
  • Äquatornahe Tropen (0°–20° N/S, z. B. Südostasien, Südindien, Kolumbien): Nahezu gleichbleibende Tageslängen (~12/12 h ganzjährig) und hohe Luftfeuchtigkeit führen zu hochwachsenden Pflanzen mit schmalen Fächerblättchen (NLD = Narrow-Leaf Drug), langer Blütezeit (11–16+ Wochen) und locker-luftigen Blütenständen, in denen sich trotz Monsunregen weniger Grauschimmel (Botrytis) festsetzt.[1][4]
  • Hohe nördliche Breiten (50°–60° N, z. B. Wolga-Raum & Sibirien): Extrem lange Sommertage und sehr früher Frost selektierten Wildpopulationen (C. ruderalis), die ihre Photoperioden-Abhängigkeit verloren und bereits wenige Wochen nach der Keimung automatisch blühen.[2][6]

1. Zentral- & Südasien: Gebirgs-BLD & südindische Tropen-Linien

Zwischen dem afghanisch-pakistanischen Hindukusch, dem Kaschmir-Tal und der südindischen Malabarküste zeigt sich ein spannender botanischer Kontrast: Während im trockenen Hochgebirge des Nordens die kompakten, breitblättrigen Haschisch-Landrassen (BLD) entstanden, wuchsen im feucht-tropischen Süden Indiens hochgewachsene, schmalblättrige NLD-Pflanzen – genau jene Pflanzen, die Jean-Baptiste de Lamarck 1785 ursprünglich als Cannabis indica beschrieb![1][2]

Landrasse Herkunftsregion Morphologie & Blütefenster Typische Terpene & Aroma Chemotyp & botanische Besonderheiten
Hindu Kush Hindukusch-Massiv (Grenzgebiet Afghanistan / Nordpakistan, 1.500–3.000 m) BLD · gedrungen, starker Hauptstamm, dunkelgrüne breite Blätter · 7–9 Wo. Myrcen, β-Caryophyllen, Limonen, α-Pinen · Sandelholz, feuchte Erde, Kiefer, milder Haschischduft Typ I (in Landsaatgut teils Typ I & II) · Klassische Gebirgs-Linie mit dicker Cuticula und hohem Harzbesatz; Elternteil von Mango Kush und unzähligen Kush-Hybriden.[1][4]
Afghanica (Mazar-i-Sharif / Balkh) Nordafghanistan (Provinzen Balkh, Mazar-i-Sharif, Sheberghan) BLD · extrem breite Fächerblätter, kurze Internodien, sehr dichte Knospen · 7–9 Wo. Myrcen, Humulen, β-Caryophyllen · schwer-erdig, Zeder, würzig-harzig Typ I & Typ II · Traditionell für gesiebtes Haschisch angebaut (daher im ungekreuzten Feld-Genpool oft sowohl THC- als auch CBD-Synthase-Allele vorhanden). Fundament von Skunk #1 und Northern Lights.[1][7]
Pakistani Chitral Kush (PCK) Chitral-Tal (Khyber Pakhtunkhwa, Nordpakistan, Hindukusch) BLD · kompakt bis mittelhoch, bildet häufig tief purpurrote bis violette Kelche · 8–9 Wo. Myrcen, Limonen, β-Caryophyllen, Linalool · Waldbeeren, Brombeere, Karamell, erdig Typ I (teils Typ II) · Bekannt für ausgeprägte Anthocyan-Phänotypen und eine für BLD-Sorten überdurchschnittliche Widerstandskraft gegen Herbstfeuchte.[1]
Kashmiri Kaschmir-Tal & westlicher Himalaya (Nordindien / Pakistan) Übergangsform BLD / NLD · robuster Bergwuchs, mittlere Blattfingerbreite · 8–10 Wo. β-Caryophyllen, Myrcen, α-Pinen · Bergkräuter, Zeder, Pfeffer, trockene Erde Typ I / Typ II · Geografisches Bindeglied zwischen den afghanischen Sieb-Haschisch-Linien und den handgeriebenen Himalaya-Charas-Populationen.[1][4]
Kerala / Idukki Gold Südindien (Bundesstaat Kerala, Westghats / Distrikt Idukki) NLD · hoch, schlank, lange Seitentriebe, schmale Blättchen · 11–14 Wo. Terpinolen, β-Caryophyllen, Limonen, α-Pinen · schwarzer Pfeffer, grüner Kardamom, Zitrus, Weihrauch Typ I · Repräsentiert Lamarcks historische C. indica (1785); floss als südindischer Baustein in Original Haze und White Widow ein.[1][2]

2. Südostasien: Tropische Narrow-Leaf-Landrassen

In den Ländern entlang des Mekong und auf Sumatra entwickelten sich unter feucht-tropischen Bedingungen einige der am reinsten ausgeprägten NLD-Landrassen überhaupt. Charakteristisch sind extrem schmale Fächerblättchen, ein enormer Höhen-Stretch und luftig aufgebaute Blütenstände, die oft erst nach 12 bis 16+ Blütewochen ausreifen.[1][4]

Landrasse Herkunftsregion Morphologie & Blütefenster Typische Terpene & Aroma Chemotyp & historische Bedeutung
Thai (Squirrel Tail / Chocolate Thai / Highland Thai) Thailand (Nordost-Region Isan / Khorat-Plateau sowie nördliches Bergland) NLD · sehr hoch, weidenartig schmale Blätter, längliche „Eichhörnchenschwanz“-Blütenstände · 12–16+ Wo. Terpinolen, Limonen, Ocimen, β-Caryophyllen · Zitronengras & Limette (Highland) bzw. gerösteter Kakao & Gewürze (Chocolate Thai) Typ I · In den 1960er/70er Jahren als „Thai Sticks“ um Bambusstäbchen gebunden bekannt geworden; genetischer Elternteil von Original Haze, Blueberry, Northern Lights und AK-47.[1][4]
Cambodian Kambodscha (Mekong-Ebene & Kardamom-Gebirge) NLD · hochwachsend, biegsame Zweige, luftige Kelchstruktur · 12–15 Wo. Terpinolen, Ocimen, Myrcen · tropische Früchte, Zitrus, würzig-kräuterig Typ I · Eng verwandt mit den thailändischen und laotischen Mekong-Populationen; hohe Toleranz gegen feuchtes Tropenklima.[1]
Vietnamese Black Vietnam (Zentrales Hochland & nördliche Gebirgstäler) NLD · stark verzweigter hoher Wuchs, Kelche färben sich zur späten Reife oft dunkelviolett bis fast schwarz · 12–15 Wo. β-Caryophyllen, Terpinolen, Myrcen · schwarzer Pfeffer, dunkle Walderde, Zitrus Typ I · Traditionelle südostasiatische Hochland- und Tiefland-Linie, seit den späten 1960ern in westlichen Sammlungen dokumentiert.[1]
Aceh (Atjeh) Nord-Sumatra, Indonesien (Provinz Aceh, ca. 5° N) NLD · ausgesprochene Äquatorialform, sehr lange Internodien, hoher Stretch · 12–16 Wo. Terpinolen, Myrcen, α-Pinen · grüne Mango, edles Holz, aromatische Kräuter Typ I · In Aceh traditionell über Jahrhunderte kultiviert; angepasst an nahezu konstante 12-Stunden-Tage.[1]

3. Afrika: Von den Subtropen bis zum Ostafrikanischen Graben

Cannabis gelangte bereits vor Jahrhunderten über arabische, indische und portugiesische Handelsrouten an die ostafrikanische Küste (Sansibar, Mosambik) und verbreitete sich von dort über das südliche und zentrale Afrika.[1][4] Afrikanische Landrassen gehören morphologisch zur NLD-Gruppe, zeichnen sich aber – besonders im südlichen Afrika (Südafrika, Drakensberge) – durch eine deutlich kürzere Blütezeit (8–11 Wochen) und teils messbare Gehalte des Propyl-Cannabinoids THCV (Tetrahydrocannabivarin) aus.[1][8]

Landrasse Herkunftsregion Morphologie & Blütefenster Typische Terpene & Aroma Chemotyp & Besonderheiten
Durban Poison Südafrika (Region Durban, KwaZulu-Natal, ~30° S) NLD · schlank, aber im Vergleich zu Äquatorial-Sativas deutlich kompakter und schneller reif · 8–10 Wo. Terpinolen, Myrcen, β-Ocimen, Limonen · süßlich-würzig, Anis, Lakritz, Kiefernharz[8] Typ I (oft mit THCV-Anteil) · In den 1970ern von Ed Rosenthal aus Südafrika in die USA gebracht; später über „F1 Durb“ ein direkter Elternteil von Girl Scout Cookies (GSC).[4][8]
Malawi Gold Malawi, Ostafrika (Hochland am Malawisee / Nkhotakota) NLD · hoher, kräftig verzweigter Wuchs mit langen, stark beharzten Colas · 11–14 Wo. Terpinolen, β-Caryophyllen, Limonen · blumig, Zitrus, Honig- und Edelholznote Typ I (teils THCV) · Berühmt für die traditionelle Verarbeitung als „Malawi Cob“ (festes Einwickeln und Fermentieren in Maisblättern, wodurch sich die Blüten goldfarben verfärben).[1]
Kilimanjaro Ostafrika (Hänge des Kilimandscharo, Tansania / Kenia) NLD · mittelhoch bis hoch, kräftige Seitenäste, an intensive Höhensonne angepasst · 10–13 Wo. Terpinolen, α-Pinen, Limonen · frische Zitrone, Kiefer, Bergkräuter Typ I · Traditionell von lokalen Gemeinschaften in den ostafrikanischen Höhenlagen selektierte NLD-Population.[1]
Rooibaard („Rotbart“) Südafrika (Ostkap / ehemalige Transkei) NLD · buschig-schlank, auffallend dichte rot-orange bis rostrote Blütennarben · 9–11 Wo. Myrcen, β-Caryophyllen, Terpinolen · erdig, würzig, reife Früchte Typ I · Benannt nach den leuchtend roten Narbenfäden („Rotbart“ auf Afrikaans).[1]
KwaZulu Südafrika (Drakensberge / nördliches KwaZulu-Natal) NLD · vergleichsweise kompakt, robust gegenüber kühleren Bergnächten · 8–10 Wo. Terpinolen, Myrcen, α-Pinen · süß-kräuterig, frisch, feine Pfeffernote Typ I · Eine der am frühesten abreifenden afrikanischen NLD-Herkünfte.[1]

4. Mittel- & Südamerika / Karibik

In Nord-, Mittel- und Südamerika war Cannabis ursprünglich nicht heimisch; die Pflanze gelangte ab dem 16. Jahrhundert mit europäischen Seefahrern (zunächst als Faserhanf) und vor allem im 19. Jahrhundert durch Vertragsarbeiter aus Britisch-Indien (südasiatische NLD-Linien, „Ganja“) sowie über den Pazifikhandel in die Karibik, nach Mexiko, Panama und Kolumbien.[1][2][4] Über mehr als ein Jahrhundert isolierter Kultivierung in den Gebirgen Mexikos und Kolumbiens entstanden daraus weltbekannte sekundäre Landrassen:

Landrasse Herkunftsregion Morphologie & Blütefenster Typische Terpene & Aroma Chemotyp & Bedeutung für die Zucht
Acapulco Gold Mexiko (Sierra Madre del Sur rund um Acapulco, Guerrero) NLD · hochwachsend, kräftige Colas, die bei voller Reife gold- bis bernsteinfarben trocknen · 10–12 Wo. β-Caryophyllen, Myrcen, Limonen · geröstetes Karamell, Toffee, Erde, Zitrus Typ I · Einer der berühmtesten Namen der 1960er/70er Jahre und direkter Elternteil von Skunk #1.[1][4]
Oaxaca (Highland Mexican) Mexiko (Hochland von Oaxaca, Sierra Madre del Sur) NLD · schlank, schmale Blätter, an kühle Bergnächte und hohe UV-Strahlung angepasst · 10–13 Wo. Terpinolen, α-Pinen, Limonen · Limette, Weihrauch, Kiefernharz, Gewürze Typ I · Wichtiger Baustein von Original Haze sowie über „Purple Thai“ (Oaxaca Gold × Chocolate Thai) von Blueberry.[1][4]
Colombian Gold (Santa Marta) Kolumbien (Sierra Nevada de Santa Marta, Karibikküste) NLD · hoher, stark verzweigter Weihnachtsbaum-Wuchs, schmale Fiederblättchen · 11–14 Wo. Terpinolen, Myrcen, Limonen, β-Caryophyllen · süße Zitrone, Limette, Sandelholz, Weihrauch Typ I · Bildet zusammen mit Acapulco Gold und Afghanica das genetische Fundament von Skunk #1 sowie die Basis von Original Haze.[1][4]
Punto Rojo Kolumbien (Hochland der Anden & Sierra Nevada) NLD · sehr schlank, lange Internodien, leuchtend rote bis violette Blütennarben · 12–16 Wo. Terpinolen, α-Pinen, β-Caryophyllen · Kiefernharz, Weihrauch, grüne Mango, Pfeffer Typ I · „Punto Rojo“ („Roter Punkt“) bezeichnet die charakteristisch rot gefärbten Narben- und Kelchspitzen.[1]
Panama Red Panama (Tropisches Tiefland & Pazifik-Archipel) NLD · sehr hoher tropischer Wuchs mit langen luftigen Colas und rotbraunen Narben · 11–14 Wo. β-Caryophyllen, Terpinolen, Myrcen · würzig-erdig, Zitrone, Kräuter Typ I · Legendäre zentralamerikanische NLD-Population der späten 1960er und 1970er Jahre.[1][4]
Lamb's Bread (Lamb's Breath) Jamaika (u. a. Blue Mountains & St. Ann) NLD · schlank, hellgrüne luftige Blütenstände, feuchtigkeitsresistent · 10–12 Wo. β-Caryophyllen, Myrcen, Humulen, α-Pinen · würzig-kräuterig, Holz, süßlich-erdig Typ I · Entstand historisch aus im 19. Jh. aus Indien eingeführten Ganja-Linien, die sich auf Jamaika mit mittelamerikanisch-karibischen Herkünften verbanden.[1][4]

5. Nordasien & Osteuropa: Cannabis ruderalis als Ursprung der Autoflower-Genetik

Dichter Bestand wild wachsender Hanfpflanzen am Waldrand
Wildhanf (Cannabis sativa var. ruderalis) in der Region Saratow, Russland. Foto: Le.Loup.Gris · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Im Jahr 1924 beschrieb der russische Botaniker D. E. Janischewsky an der Universität Saratow wild wachsende Hanfpflanzen im Wolga-Gebiet als Cannabis ruderalis (von lateinisch rudus = Schutt, weil die Pflanzen oft an Wegrändern, Ackerrainen und gestörten Böden wuchsen). Heute ordnen Taxonomen wie McPartland (2018) und Small (2015) diese Bestände meist als spontan verwilderte Form von Cannabis sativa subsp. sativa (var. spontanea / ruderalis) ein, die sich von Osteuropa über Südrussland und Kasachstan bis nach Sibirien erstreckt.[1][2][4]

Botanische & genetische Merkmale

  • Wuchs & Samen: Niedrige Wuchshöhe (meist 30–100 cm), spärliche Verzweigung, kleinere Blätter mit 3–7 Fiederblättchen sowie kleine, hartschalige Samen mit marmorierter Hülle, die bei Reife leicht abfallen („Shattering“) und jahrelang im Boden überdauern können.[1][4]
  • Tageslängen-unabhängige Blüte (CsPRR37): Während BLD- und NLD-Landrassen auf kürzer werdende Tage warten müssen, blühen Ruderalis-Populationen automatisch nach Erreichen eines bestimmten Entwicklungsalters (meist 3–4 Wochen nach der Keimung). 2024 wiesen Leckie et al. nach, dass dieses Merkmal durch eine rezessive Spleißstellen-Mutation im Gen CsPRR37 (einem Regulator der inneren circadianen Uhr) ausgelöst wird.[6]

Bedeutung für moderne Autoflower-Sorten

  • Wild wachsende Ruderalis-Pflanzen bilden selbst meist nur geringe Mengen an Cannabinoiden (oft Chemotyp II oder III mit wenig THC).[1][6]
  • Durch gezielte Kreuzung und Rückkreuzung mit kompakten BLD- und NLD-Sorten wurde das rezessive CsPRR37-Autoflower-Gen jedoch in moderne Zuchtlinien übertragen – das Fundament sämtlicher heutigen Autoflower-Sorten.[6]

Besonderheiten beim Anbau von Landrassen

Wer eine möglichst ursprüngliche Landrasse (aus legalem EU-Erhaltungssaatgut nach § 4 KCanG) im Zelt oder Gewächshaus kultiviert, merkt schnell den Unterschied zu modernen Indoor-Hybriden:[1][5]

  • Enormer Stretch bei tropischen NLD-Linien: Äquatoriale Landrassen (wie Thai, Punto Rojo oder Malawi) können ihre Höhe nach der Lichtumstellung verdrei- bis vervierfachen. Ohne rechtzeitiges Low-Stress-Training (LST), Topping oder ein ScrOG-Gitter wachsen sie im Indoor-Zelt schnell in die Lampe.
  • Geringerer Nährstoffbedarf: Viele Landrassen stammen von kargen Gebirgs- oder Verwitterungsböden und reagieren empfindlich auf hohe mineralische Düngergaben (Adlerkrallen, verbrannte Blattspitzen).
  • Breitere Phänotyp-Streuung: Da echte Landrassen keine ingezüchteten Klone sind, zeigen fünf Samen derselben Herkunft oft spürbare Unterschiede in Wuchshöhe, Blattfarbe, Duft und dem Verhältnis von THC zu CBD.[5][7]

Meine Erfahrung

Hempey
Flos Faszination für Landrassen aus aller Welt

Wenn man sich die 21 Landrassen aus fünf Weltregionen anschaut, versteht man sofort mein Leitmotto „Kapier die Natur, dann kopier die Natur“: Eine gedrungene Gebirgspflanze aus dem Hindukusch oder Chitral (die früh vor dem ersten Schnee fertig werden muss und sich mit dunklen Anthocyanen und dickem Harz vor UV-Strahlung und Kälte schützt) braucht im Zelt ein ganz anderes Gefühl als eine hochwachsende tropische Sativa aus Thailand, Malawi oder Kolumbien.

Mit einem luftigen, magereren Living-Soil-Substrat (Erde, Wurmhumus, Sand und Seramis), sanftem Training (LST, Topping & ScrOG) und viel Geduld belohnen solche ursprünglichen Linien mit Aromen, die man in keinem modernen Einheits-Hybriden findet!

Hinweis: Persönliche Erfahrungen sind subjektiv und keine Empfehlung.

Quellen

Alle Links zuletzt geprüft am 22.10.2026.

  1. Clarke RC, Merlin MD (2013): Cannabis: Evolution and Ethnobotany. University of California Press, Berkeley. doi:10.1525/9780520954571 Übersichtsarbeit
  2. McPartland JM (2018): Cannabis Systematics at the Levels of Family, Genus, and Species. Cannabis and Cannabinoid Research 3(1):203–212. doi:10.1089/can.2018.0039 Übersichtsarbeit
  3. Ren G, Zhang X, Li Y et al. (2021): Large-scale whole-genome resequencing unravels the domestication history of Cannabis sativa. Science Advances 7(29):eabg2286. doi:10.1126/sciadv.abg2286 genetische Studie
  4. Small E (2015): Evolution and Classification of Cannabis sativa (Marijuana, Hemp) in Relation to Human Utilization. The Botanical Review 81(3):189–294. doi:10.1007/s12229-015-9157-3 Übersichtsarbeit
  5. Babaei M, Torkamaneh D (2026): Genetic architecture of phenological, morphological, and phytochemical traits in Cannabis landraces. The Plant Genome 19(2):e70243. doi:10.1002/tpg2.70243 genetische Studie
  6. Leckie KM, Sawler J, Kapos P et al. (2024): Loss of daylength sensitivity by splice site mutation in Cannabis pseudo-response regulator. The Plant Journal 118(6):2020–2036. doi:10.1111/tpj.16726 genetische Studie
  7. de Meijer EPM, Bagatta M, Carboni A et al. (2003): The inheritance of chemical phenotype in Cannabis sativa L. Genetics 163(1):335–346. doi:10.1093/genetics/163.1.335 Kreuzungsstudie
  8. Smith CJ, Vergara D, Keegan B, Jikomes N (2022): The phytochemical diversity of commercial Cannabis in the United States. PLoS ONE 17(5):e0267498. doi:10.1371/journal.pone.0267498 Analyse von Handelsproben
  9. Konsumcannabisgesetz (KCanG), §§ 4, 6. § 4, § 6 auf gesetze-im-internet.de Gesetz