Anbaumethoden & Pflanzentraining: ScrOG, LST, Topping, HST, SOG & Substrate im Vergleich

Warum wächst eine unberührte Cannabispflanze meist wie ein kleiner Weihnachtsbaum mit einer einzigen großen Hauptspitze – und wie bringt man sie dazu, stattdessen ein flaches, gleichmäßiges Meer aus großen Blütenständen zu bilden? In diesem Artikel schauen wir uns alle wichtigen Trainings- und Anbaumethoden von LST und ScrOG über SOG bis hin zu Topping, FIMming, Main-Lining, Supercropping und Lollipopping sowie die wichtigsten Anbaumedien (Erde, Kokos, Hydroponik) an – immer getrennt nach pflanzenphysiologischen Fakten und praktischer Erfahrung.
Rechtlicher Hinweis für den Homegrow in Deutschland (§ 3, § 9, § 10 KCanG): Erwachsene (ab 18) dürfen an ihrem Wohnsitz gleichzeitig höchstens drei lebende Cannabispflanzen privat anbauen (§ 9 Abs. 1 KCanG) und insgesamt bis zu 50 g getrocknetes Cannabis besitzen (§ 3 Abs. 2 KCanG). Pflanzen müssen vor dem Zugriff durch Dritte – insbesondere Kinder und Jugendliche – geschützt sein (§ 10 KCanG).[10] Keine Rechtsberatung.
1. Pflanzenphysiologie: Warum Training funktioniert (Auxin & Lichtverteilung)

Wenn eine Cannabispflanze im Freiland ungestört wächst, zeigt sie eine ausgeprägte Apikaldominanz: Die oberste Triebspitze (das apikale Meristem) wächst am stärksten dem Licht entgegen, während die unteren Seitentriebe kürzer bleiben, sodass die typische Tannenbaum-Form entsteht.[2][3]
Aus Sicht der Pflanzenphysiologie stecken zwei zentrale Mechanismen dahinter:
- Hormonelle Steuerung (Auxin vs. Cytokinine): In der obersten Triebspitze wird das Pflanzenhormon Auxin (vor allem Indol-3-essigsäure, IAA) gebildet und im Spross nach unten transportiert. Dort hemmt es direkt und indirekt das Austreiben der seitlichen Achselknospen, während aus den Wurzeln aufsteigende Cytokinine das Seitenwachstum fördern.[2][3] Sobald die Hauptspitze entweder unter das Niveau der Seitentriebe gebogen (LST) oder abgeschnitten (Topping) wird, fällt diese Auxin-Bremse weg – die Seitentriebe wachsen kräftig nach oben und entwickeln sich zu gleichwertigen Hauptblütenständen.[1][2] gut belegt
- Lichtgeometrie unter künstlicher Beleuchtung (PPFD): Während die Sonne im Tagesverlauf über den Himmel wandert und auch tiefere Blattschichten seitlich anstrahlt, hängt eine Indoor-LED fest über den Pflanzen. Die Lichtintensität (gemessen als PPFD in µmol·m⁻²·s⁻¹) nimmt mit wachsendem Abstand zur Lampe sowie durch Abschattung im Blätterdach rapide ab.[4][5] Studien von Chandra et al. (2017) und Rodriguez-Morrison et al. (2021) zeigen, dass Photosynthese und Blütenertrag bei Cannabis sativa eng an die lokale Lichtintensität am Blatt bzw. Blütenstand gekoppelt sind.[4][5] Ein flaches, gleich hohes Blätterdach sorgt dafür, dass alle Hauptblüten im optimalen Lichtkorridor liegen, statt dass eine einzelne Spitze zu nah an der Lampe verbrennt, während der Rest im Schatten kümmert.
2. Low-Stress-Training (LST): Sanftes Biegen ohne Schnittwunden
Beim Low-Stress-Training (LST) werden Haupttrieb und größere Seitentriebe behutsam in die Horizontale gebogen und fixiert, ohne Pflanzengewebe abzuschneiden oder zu verletzen.[9] Weil das Auxin der Schwerkraft folgend zur Unterseite gebogener Triebe wandert und die Spitze nicht mehr der höchste Punkt der Pflanze ist, übernehmen die nach oben zeigenden Seitentriebe die Führung.
Schritt-für-Schritt in der Praxis (Erfahrungswerte)
- Startzeitpunkt: Sobald die junge Pflanze 3 bis 5 ausgebildete Nodien (Blattknoten) hat und der Hauptstamm noch biegsam ist (meist in Woche 2–3 der Wachstumsphase).
- Stammfuß sichern (Gegenzug!): Bevor du die Spitze herunterbindest, befestige ein weiches Band knapp über der Erde in die entgegengesetzte Richtung am Topfrand. So verhinderst du, dass der junge Wurzelballen aus dem Substrat gezogen wird.
- Spitze sanft herunterbinden: Biege den oberen Teil des Haupttriebs vorsichtig auf eine Höhe knapp unterhalb der mittleren Seitentriebe und fixiere ihn mit gummiertem Pflanzendraht oder breiten Pflanzenclips am Topfrand (niemals dünnen Nähfaden oder blanken Draht nehmen – er schneidet beim Dickenwachstum in den Stamm ein!).
- Nachführen: Schon nach 12–24 Stunden richtet sich die Triebspitze durch Phototropismus wieder zum Licht auf, und die unteren Seitentriebe ziehen nach. In den folgenden Wochen führst du neue Spitzen sternförmig nach außen, sodass alle Triebe auf einer Höhe bleiben.
Vorteile von LST
- Kaum Wachstumsstopp: Da keine Schnittwunde verheilen muss, wächst die Pflanze ohne Pause weiter.
- Ideal für Autoflower & kleine Zelte: Weil Autoflower-Sorten eine genetisch fest tickende innere Uhr haben ([8]), ist sanftes LST für sie die sicherste Methode, um Höhe zu sparen und die Lichtfläche optimal zu nutzen.
- Volle Flexibilität: Jeder Topf bleibt einzeln beweglich und kann zum Gießen oder Kontrollieren aus der Box genommen werden.
Nachteile & Grenzen
- Erfordert alle paar Tage kurzes Nachjustieren der Bänder während der Wachstums- und frühen Stretch-Phase.
- Wenn man zu spät beginnt und der Stamm bereits verholzt ist, kann der Trieb beim Biegen brechen (passiert das versehentlich, lässt sich die Stelle wie ein Knochenbruch sofort mit Klebeband schienen – die Pflanze bildet dort meist innerhalb einer Woche einen stabilen Kallus).
3. ScrOG (Screen of Green): Maximale Lichtausbeute im Gitter

ScrOG („Screen of Green“) ist die konsequente Weiterentwicklung des flachen Blätterdachs: Etwa 20 bis 35 cm über dem Topfrand wird ein horizontales Netz oder Rankgitter gespannt. Alle aufwachsenden Triebe werden so lange unter die Gittermaschen geflochten, bis eine komplett ebene, gleichmäßig ausgeleuchtete Fläche entsteht.[9]
Wie ein ScrOG aufgebaut und geführt wird
- Maschenweite & Material: Bewährt hat sich eine Maschenweite von ca. 5 × 5 cm bis 8 × 8 cm. Nutze dicke, glatte elastische Kordeln, kunststoffummanteltes Gitter oder glatte Bambus-/Kunststoffstreben. Grobe Hanfschnüre (Fasern in den harzigen Blüten!) oder scharfkantige Metalldrähte sind ungeeignet.
- Vorbereitung in der Wachstumsphase: Häufig wird die Pflanze einmalig über der 4. oder 5. Nodie getoppt oder per LST flach gehalten, bis die Triebe das Netz erreichen.
- Das Einflechten („Tucking“): Sobald ein Trieb 3–5 cm durch eine Masche nach oben ragt, wird er behutsam wieder unter das Netz gedrückt und in die nächste freie Nachbarmasche weitergeleitet. Dadurch bekommen die darunterliegenden Seitenknospen volles Licht und wachsen in die vertikalen Maschen hinein.
- Zeitpunkt für die Lichtumstellung (12/12): Bei photoperiodischen Sorten stellt man auf Blüte um, wenn das Gitter zu etwa 60 bis 80 % gefüllt ist (bei stark stretchenden Haze- oder NLD-Linien schon bei ~60 %, bei kompakten BLD-/Kush-Linien bei ~75–80 %).
- Die ersten 2 Blütewochen (Stretch-Phase): Während des Blütestretchs wird weiter eingeflochten. Ab Ende der 2. bis Mitte der 3. Blütewoche hört man mit dem Einflechten auf und lässt die Blütenstände senkrecht durch die Maschen nach oben wachsen.
Vorteile von ScrOG
- Höchste Lichteffizienz auf kleiner Fläche: Nahezu jede Masche trägt am Ende eine gleich hohe Blütenspitze im selben PPFD-Abstand zur Lampe.[5][9]
- Perfekt für 1 bis 3 Pflanzen (§ 9 KCanG): Mit nur einer bis drei gesetzlich erlaubten Pflanzen lässt sich im ScrOG ein ganzes Zelt (z. B. 60×60 cm bis 100×100 cm) lückenlos ausfüllen.
- Stützfunktion in der Spätblüte: Das Gitter trägt später automatisch das Gewicht schwerer Colas (z. B. bei Grizzly Glue, Critical oder Mango Kush), sodass keine Zweige abknicken.
Nachteile & worauf man achten muss
- Pflanzen sind fest im Netz verankert: Sobald die Triebe eingeflochten sind, kannst du die Töpfe nicht mehr aus dem Zelt heben. Du brauchst also freien Zugang zum Gießen, zum Absaugen von Drainwasser und zur Pflege des unteren Stammbereichs.
- Etwas längere Wachstumsphase: Um ein großes Gitter mit 1–3 Pflanzen zu füllen, rechnet man meist 1–3 Wochen mehr vegetative Wachstumszeit ein als ohne Netz.
- Sortenwahl im selben Netz: Wenn mehrere Pflanzen unter einem gemeinsamen Netz stehen, sollten sie einen ähnlichen Stretch und eine ähnliche Blütedauer haben.
4. SOG (Sea of Green) – und warum es unter dem deutschen KCanG kaum passt
Das genaue Gegenstück zum ScrOG heißt SOG („Sea of Green“): Statt wenige Pflanzen breit zu trainieren, stellt man beim klassischen SOG sehr viele kleine Pflanzen (meist genetisch identische Stecklinge einer Mutterpflanze) in kleinen Töpfen dicht an dicht (z. B. 9 bis 25 Pflanzen pro Quadratmeter). Nach einer extrem kurzen Wachstumsphase von nur 1–2 Wochen wird sofort die Blüte eingeleitet, sodass jede Pflanze fast nur einen einzigen dominanten Haupttrieb (Main Cola) bildet.[9]
Warum klassisches SOG im privaten Eigenanbau in Deutschland (§ 9 KCanG) nicht passt: Nach § 9 Abs. 1 KCanG darf jede volljährige Person an ihrem Wohnsitz höchstens drei lebende Cannabispflanzen gleichzeitig anbauen (und nach § 3 Abs. 2 KCanG maximal 50 g getrocknetes Cannabis besitzen).[10] Ein klassisches SOG mit 9, 16 oder gar 25 Einzelpflanzen würde die gesetzliche Obergrenze von drei Pflanzen massiv überschreiten und ist im privaten Rahmen verboten. Für den legalen Homegrow mit 1 bis 3 Pflanzen sind LST, Topping und ScrOG deshalb der richtige Weg, um aus wenigen Pflanzen ein gleichmäßiges Blätterdach zu formen.
5. High-Stress-Training (HST): Topping, FIMming, Main-Lining & Supercropping
Unter High-Stress-Training (HST) fasst man alle Techniken zusammen, bei denen Triebspitzen bewusst beschnitten oder das innere Stützgewebe von Sprossen mechanisch geknetet wird. In der Gartenbauwissenschaft (Danziger & Bernstein 2021; Bernstein et al. 2019) wurde an medizinischen Cannabis sativa-Kultivaren systematisch untersucht, wie solche Eingriffe in die Pflanzenarchitektur das Verhältnis von Haupt- zu Seitenblüten und die Gleichmäßigkeit der Inhaltsstoffe verändern:[1][2]
5.1 Topping (Kappen der Hauptspitze)
Beim Topping wird die oberste Triebspitze (das apikale Meristem) mit einer sauberen, desinfizierten Schere oder Klinge knapp oberhalb einer Nodie (meist über dem 4. bis 6. Blattknoten) vollständig abgetrennt.[2][9]
- Was passiert in der Pflanze? Durch den Wegfall der apikalen Auxinquelle wachsen die beiden direkt darunter liegenden Achselknospen zu zwei gleich starken Haupttrieben heran, und auch die tieferen Seitentriebe holen deutlich auf.[2]
- Wissenschaftlicher Befund: In kontrollierten Versuchen von Danziger & Bernstein (2021) führte ein- oder zweimaliges Kappen der Hauptspitze zu einer kompakteren, breiteren Krone mit deutlich mehr gleich großen Blütenständen und verringerte das Gefälle der Cannabinoidkonzentration zwischen oberen und unteren Etagen.[2] gut belegt
- Praxis-Tipp: Lasse beim Schneiden einen kleinen Stummel von ca. 3–5 mm über der Verzweigungsstelle stehen. Schneidet man zu dicht an den Achselknospen, spaltet sich die Gabelung später unter dem Gewicht schwerer Blüten leicht in der Mitte auf! Nach dem Topping sollte man der Pflanze ca. 5–7 Tage Erholung gönnen, bevor man auf 12/12 umstellt.
5.2 FIMming („Fuck, I Missed“)
Beim FIMming wird nicht der gesamte Triebkopf unterhalb der Spitze gekappt, sondern man schneidet direkt durch das oberste, sich gerade entfaltende Blatt- und Knospenbüschel, sodass ca. 70–80 % der Spitze entfernt werden und die untersten 20–30 % des Meristems stehen bleiben.[9]
- Effekt: Weil Teile des Bildungsgewebes erhalten bleiben, treiben aus einem einzigen Schnittpunkt oft 3, 4 oder mehr neue Triebe gleichzeitig aus.
- Vor- & Nachteil: Weniger Höhenverlust als beim klassischen Topping, dafür ist das Ergebnis nicht immer perfekt symmetrisch (manchmal wachsen 2 starke und 2 schwächere Triebe).
5.3 Main-Lining / Manifolding (Symmetrischer Verteiler-Aufbau)
Main-Lining (auch Manifolding genannt) kombiniert mehrfaches Topping, konsequentes Ausputzen unterer Ansätze und horizontales LST zu einem streng symmetrischen „Verteiler“ (engl. Manifold):[2][9]
- Sobald die Pflanze 5–6 Nodien hat, wird sie über der 3. Nodie getoppt; alle Triebansätze unterhalb dieser 3. Nodie werden entfernt, sodass ein „T“ aus Stamm und zwei gleich starken Hauptarmen entsteht.
- Beide Arme werden per LST waagerecht zur Seite gebunden.
- Sobald jeder Arm 3–4 Knoten gebildet hat, werden beide Spitzen erneut getoppt (2 → 4 → 8 Haupttriebe).
- Das Ergebnis sind 8 (oder 16) exakt gleich lange, über denselben Knotenpunkt versorgte Hauptcolas ohne kleine Schattenblüten im unteren Bereich.
Wichtig: Durch das mehrfache Zurückschneiden verlängert sich die Wachstumsphase um ca. 2 bis 4 Wochen. Main-Lining eignet sich deshalb ausschließlich für gesunde, photoperiodische Pflanzen – niemals für Autoflower!
5.4 Supercropping (Gezieltes Weichkneten zu hoher Triebe)
Beim Supercropping wird ein zu hoch gewachsener Trieb an der gewünschten Biegestelle zwischen Daumen und Zeigefinger vorsichtig für einige Sekunden zusammengedrückt und gerollt, bis das innere Festigungsgewebe weich nachgibt, und anschließend im 90°-Winkel waagerecht umgelegt – ohne dass die äußere Rinde (Epidermis) aufreißt.[9]
- An der gekneteten Stelle bildet die Pflanze innerhalb weniger Tage eine verdickte, holzige Verwachsung („Knuckle“).
- Besonders hilfreich als „Notbremse“, wenn einzelne Haupttriebe im Blütestretch den anderen davonwachsen und der LED-Lampe gefährlich nahe kommen.
6. Lollipopping & Defoliation (Ausgeizen & Entlauben): Nutzen vs. Übertreibung

Kaum ein Thema wird unter Growern so heiß diskutiert wie das Entfernen von unteren Seitentrieben (Lollipopping) und Fächerblättern (Defoliation / Entlauben). Hier lohnt sich ein genauer Blick in die Studienlage:[1][4][7]
Was sinnvoll und wissenschaftlich nachvollziehbar ist
- Lollipopping im unteren Schattenbereich: Im untersten Drittel eines dichten Blätterdachs kommt kaum noch photosynthetisch aktive Strahlung (PPFD) an.[4][5] Entfernt man kurz vor Blütebeginn (oder am Ende des Stretchs um Blütewoche 3) die schwachen untersten Minitriebe, vermeidet man luftige „Popcorn-Buds“ und lenkt Wasser, Assimilate und Nährstoffe in die gut beleuchteten oberen Colas.[1][2]
- Bessere Luftzirkulation gegen Schimmel: Dichte Blattmassen im unteren und mittleren Bereich stauen Feuchtigkeit durch Transpiration. In Studien von Punja et al. (2019) und Buirs & Punja (2024) gehören Grauschimmel (Botrytis cinerea) in den Blüten und Echter Mehltau auf den Blättern zu den größten Gefahren im Indoor- und Gewächshausanbau – ein luftiger Aufbau rund um die Blütenstände senkt dieses Risiko deutlich.[7][11]
Warum radikales Entlauben („Schwazzing“) schaden kann
- Fächerblätter sind Solarkraftwerke & Nährstoffspeicher: Große, im Licht stehende Sonnensegel leisten den Hauptteil der Photosynthese und dienen der Pflanze in der Spätblüte als mobile Reserve für Stickstoff, Phosphor und Magnesium.[1][4]
- Wenn man gesunde obere Fächerblätter radikal wegschneidet, fällt das Licht ungenutzt auf den Topfboden, die Pflanze gerät unter Wundstress und die Blütenentwicklung kann stocken.
- Faustregel für die Praxis: Lieber ein störendes Fächerblatt zuerst vorsichtig unter einen Seitentrieb klemmen („Leaf Tucking“). Nur Blätter entfernen, die (1) ganz unten dauerhaft im Dunkeln gelb werden, (2) direkt aufeinanderliegen und Schwitzwasser bilden oder (3) sich nicht anders von einer wichtigen Blütenspitze wegführen lassen.
Jeder Schnitt beim Topping oder Lollipopping ist eine offene Tür für Pilzsporen und Viren.[7][11] Wische deine Ernteschere vor und zwischen den Pflanzen kurz mit 70 % Isopropanol ab, arbeite mit sauberen Händen und schneide nur an trockenen, vitalen Pflanzen bei guter Umluft.
7. Anbaumedien & Systeme: Erde (Living Soil vs. mineralisch), Kokos & Hydroponik
Neben dem Training über der Erde entscheidet das Wurzelmedium darüber, wie schnell eine Pflanze wächst – und wie viele Fehler das System verzeiht:[6][7][9]
| Medium / System | Funktionsweise | Pufferwirkung & Fehlerverzeihung | Wichtige Hinweise aus Forschung & Praxis |
|---|---|---|---|
| Erde – Organisch / „Living Soil“ | Belebtes Substrat mit Humus, Kompost, Mykorrhiza-Pilzen und Bodenbakterien; organische Nährstoffe werden von Mikroorganismen pflanzenverfügbar gemacht. | Sehr hoch (★★★★★) Bester pH- und Nährstoffpuffer; ideal für Einsteiger und aromabetonte Grows. |
Gleichmäßige Bodenfeuchte halten (nicht völlig austrocknen lassen, damit das Bodenleben aktiv bleibt), aber Staunässe strikt vermeiden.[7] |
| Erde – Mineralisch gedüngt | Vorgedüngte Pflanzenerde (Torf/Torfersatz + Perlite); nach Verbrauch der Vorratsdüngung gezielte Gabe von direkt verfügbaren Nährsalzen (N-P-K). | Hoch (★★★★☆) Guter Puffer, schnelle Korrektur bei Mängeln möglich. |
In Studien stieg der Blütenertrag mit N und P nur bis zu einem Optimum – Überdüngung führt zu Salzstress und Nährstoffsperre.[6] |
| Kokosfaser (Coco Coir) | Inertes, luftiges Substrat aus Kokosnussschalen (oft mit 20–30 % Perlite); hält gleichzeitig viel Wasser und viel Sauerstoff an den Wurzeln. | Mittel (★★★☆☆) Reagiert so schnell wie ein passives Hydrosystem, braucht ab Tag 1 Dünger. |
Erfordert pH-Kontrolle (ca. 5,8–6,2), EC-Messung und gepuffertes Substrat (Calcium/Magnesium). Unpasteurisierte Kokosfaser kann Pilzsporen mitbringen.[7] |
| Hydroponik (DWC, Ebbe & Flut, Tropf) | Wurzeln hängen direkt in einer mit Luftausströmern belüfteten Nährlösung (Deep Water Culture) oder in Blähton/Steinwolle. | Gering (★★☆☆☆) Maximales Wachstumstempo, aber null Puffer bei Technikausfall oder pH-/EC-Fehlern. |
Exakte Nährstoffsteuerung möglich ([6]); Wassertemperatur muss kühl bleiben (< 21–22 °C), da bei warmem, sauerstoffarmem Wasser rasch Wurzelfäule durch Pythium droht.[7][11] |
8. Große Vergleichstabelle aller Trainings- & Anbaumethoden
| Methode | Grundprinzip | Stress-Level | Extra-Zeit in der Vegi | Eignung für Autoflower | Eignung für 1–3 Pflanzen (§ 9 KCanG) |
|---|---|---|---|---|---|
| LST (Low-Stress-Training) | Herunterbinden von Haupt- und Seitentrieben ohne Schnitt | Niedrig | Keine (0 Tage) | Sehr gut geeignet | Exzellent (★★★★★) |
| ScrOG (Screen of Green) | Einflechten der Triebe in ein horizontales Gitter (5×5 bis 8×8 cm) | Niedrig–Mittel | +1 bis 3 Wochen | Bedingt (nur bei wuchskräftigen Autos mit frühem LST) | Exzellent (★★★★★) |
| SOG (Sea of Green) | Viele kleine Pflanzen dicht an dicht, 1 Hauptcola pro Pflanze | Niedrig | Verkürzt (nur 1–2 Wo. Vegi) | Theoretisch ja | Kaum sinnvoll (★☆☆☆☆) wegen 3-Pflanzen-Limit![10] |
| Topping | Kappen der obersten Triebspitze über der 4.–6. Nodie (1 → 2 Haupttriebe) | Mittel–Hoch (HST) | +5 bis 10 Tage | Nur bei sehr vitalen Pflanzen in Woche 2–3 (LST ist sicherer) | Sehr gut (★★★★★)[2] |
| FIMming | Teil-Schnitt durch die Triebspitze (~75 % ab, 1 → 3–4+ Triebe) | Mittel–Hoch (HST) | +5 bis 7 Tage | Eher nicht empfohlen | Gut (★★★★☆) |
| Main-Lining / Manifolding | Mehrfaches symmetrisches Topping + LST + Ausputzen der Basis (8–16 Colas) | Hoch (HST) | +2 bis 4 Wochen | Nein (Zeit reicht vor Blütebeginn nicht) | Sehr gut (★★★★☆) für Geduldige |
| Supercropping | Weichkneten & 90°-Umlegen zu hoher Triebe ohne Rindenriss | Hoch (HST) | Keine (oft Notbremse im Stretch) | Nur im Notfall bei Höhenproblemen | Gut als Korrektur (★★★★☆) |
| Lollipopping & moderates Entlauben | Entfernen beschatteter unterer Minitriebe & einzelner Stau-Blätter | Mittel | Keine (Ende Vegi / Blütewoche 3) | Nur sehr vorsichtig (einzelne untere Blätter) | Sehr gut gegen Schimmel (★★★★★)[7] |
Meine Erfahrung: Flos „Halber-Topf + Topping + Adventivwurzel“-Methode
Mein Leitspruch beim Growen lautet: „Kapier die Natur, dann kopier die Natur.“ Genau deshalb kombiniere ich das Topping mit der natürlichen Fähigkeit der Pflanze, am verschütteten Stamm Adventivwurzeln (sprossbürtige Wurzeln) zu bilden:
- Start im halben Topf: Ich pflanze meine Jungpflanzen zunächst nur auf halber Topfhöhe ein (der Topf ist also erst zur Hälfte mit Erde gefüllt) und lasse sie kräftig anwachsen.
- Gezieltes Topping nach der 4. (oder 5.–6.) Nodie: Sobald die Pflanze die 4. Nodie ausgebildet hat, kappe ich die Hauptspitze (Topping), um später 8 gleich starke Haupt-Colas zu erhalten. Wenn ich die gekappte Spitze gleichzeitig als Steckling bewurzeln möchte, warte ich bis zur 5. oder 6. Nodie und schneide dann zurück.
- Topf bis oben mit Erde auffüllen: Anschließend fülle ich den Topf bis oben hin mit frischem Substrat auf, sodass der untere Hauptstamm und die untersten Astansätze komplett mit Erde bedeckt sind.
- Der doppelte botanische Effekt: Oben bricht das Kappen die Apikaldominanz (Cytokinine strömen in die Seitentriebe), und unten bildet der zugeschüttete Stamm- und Astbereich im dunklen, feuchten Substrat durch Dedifferenzierung ein zweites Stockwerk kräftiger Adventivwurzeln direkt unter den Haupttrieben. Das vergrößert die Wurzelmasse massiv und pumpt deutlich mehr Wasser und Nährstoffe in die 8 Colas!
5. Flos Substrat-Mix, tägliches Gießen nach Lichtbeginn & Bio-Düngung: Für dieses System mische ich mein Substrat selbst aus Erde, Wurmhumus, Quarzsand und Seramis (Ton-Granulat), angereichert mit Living Soil (Seramis puffert Wasser und Nährstoffe ohne Staunässe, Sand sorgt für Drainage). Ich gieße täglich von Hand kurz nachdem die Lampen angehen (wenn sich die Stomata öffnen – gleichzeitig mein täglicher Kontrollgang jeder Pflanze!) und dünge rein biologisch mit Wurmsaft (Wurmtee) sowie selbst angesetzter Brennnesseljauche bei durchgehend starker Zu-, Ab- und Umluft.
Hinweis: Persönliche Erfahrungen sind subjektiv und keine Empfehlung.
Quellen
Alle Links zuletzt geprüft am 22.10.2026.
- Bernstein N, Gorelick J, Koch S (2019): Interplay between chemistry and morphology in medical cannabis (Cannabis sativa L.). Industrial Crops and Products 129:185–194. doi:10.1016/j.indcrop.2018.11.039 experimentelle Studie
- Danziger N, Bernstein N (2021): Plant architecture manipulation increases cannabinoid standardization in ‘medical’ cannabis. Industrial Crops and Products 167:113528. doi:10.1016/j.indcrop.2021.113528 experimentelle Studie
- Spitzer-Rimon B, Duchin S, Bernstein N, Kamenetsky R (2019): Architecture and Florogenesis in Female Cannabis sativa Plants. Frontiers in Plant Science 10:350. doi:10.3389/fpls.2019.00350 Studie
- Chandra S, Lata H, Khan IA, ElSohly MA (2017): Cannabis sativa L.: Botany and Horticulture. In: Chandra S, Lata H, ElSohly MA (Hrsg.), Cannabis sativa L. – Botany and Biotechnology, S. 79–100. Springer, Cham. doi:10.1007/978-3-319-54564-6_3 Übersichtsarbeit
- Rodriguez-Morrison V, Llewellyn D, Zheng Y (2021): Cannabis Yield, Potency, and Leaf Photosynthesis Respond Differently to Increasing Light Levels in an Indoor Environment. Frontiers in Plant Science 12:646020. doi:10.3389/fpls.2021.646020 experimentelle Studie
- Bevan L, Jones M, Zheng Y (2021): Optimisation of Nitrogen, Phosphorus, and Potassium for Soilless Production of Cannabis sativa in the Flowering Stage Using Response Surface Analysis. Frontiers in Plant Science 12:764103. doi:10.3389/fpls.2021.764103 experimentelle Studie
- Punja ZK, Collyer D, Scott C et al. (2019): Pathogens and Molds Affecting Production and Quality of Cannabis sativa L. Frontiers in Plant Science 10:1120. doi:10.3389/fpls.2019.01120 Studie
- Leckie KM, Sawler J, Kapos P et al. (2024): Loss of daylength sensitivity by splice site mutation in Cannabis pseudo-response regulator. The Plant Journal 118(6):2020–2036. doi:10.1111/tpj.16726 genetische Studie
- Cervantes J (2006): Marijuana Horticulture: The Indoor/Outdoor Medical Grower's Bible. Van Patten Publishing, Vancouver WA. ISBN 978-1878823236 Übersichtsarbeit
- Konsumcannabisgesetz (KCanG), §§ 3, 9, 10. § 3, § 9, § 10 auf gesetze-im-internet.de Gesetz
- Buirs L, Punja ZK (2024): Integrated Management of Pathogens and Microbes in Cannabis sativa L. (Cannabis) under Greenhouse Conditions. Plants 13(6):786. doi:10.3390/plants13060786 Übersichtsarbeit